23.08.2019

Kleine Übung für Schere und Spreizer: Ein Cabrio vom THW

Haan, 16. August 2019. Ein alter Pkw diente dem Technischen Zug des Haaner Technischen Hilfswerks, um den Umgang mit hydraulischer Schere und Spreizer zu üben.

Die Gerätschaften des Technischen Hilfswerks sind nicht nur harten Beanspruchungen ausgesetzt, sondern veralten auch infolge des Fortschritts in der Rettungstechnik. Daher wird das Equipment regelmäßig ausgetauscht, nicht zuletzt auch, um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten. Das Technische Hilfswerk in Haan erhielt im Zuge dieser Umrüstung neue hydraulische Geräte zum Schneiden und Spreizen u.a. von Metallen. Im internen Jargon werden diese Werkzeuge als Schere und Spreizer bezeichnet.

Der Übung lag das Einsatzszenario zugrunde, dass bei einem Verkehrsunfall zwei Personen verletzt und eingeklemmt worden seien. Eine von ihnen befand sich im Fahrzeug auf dem Fahrersitz, die andere lag — ohne Bewusstsein — unter einem Vorderrad. Aufgabe der Helferinnen und Helfer war es, die Verletzten zu betreuen, möglichst schonend aus dem Fahrzeug zu befreien und dem Sanitätsdienst zuzuführen. Dabei sollten die THW-Kräfte nicht nur Vertrautheit mit dem neuen Gerät erlangen. waren Auch verschiedene Vorgehensweisen und Rettungsmethoden zu erproben war Lernziel bei diesem Szenario.

Recht einfach gestaltete sich die Rettung des unter dem Vorderreifen liegenden „Verletzten“: Mit dem hydraulischen Spreizer wurde der Wagen angehoben und die unter ihm platzierte Puppe weggezogen. Komplizierter gestaltete es sich, die zweite Puppe aus dem Fahrzeuginneren heraus zu holen: Ihre „Rettung“ konnte nur gelingen, wenn das Dach des Pkw zuvor entfernt wurde. Dabei war es aber nicht damit getan, „mal eben“ die Dachsäulen mit der Hydraulikschere abzuknipsen. Vielmehr war die komplexe Statik eines Autos zu beachten, denn bei der Fahrzeugkonstruktion werden heutzutage sogar die Glasscheiben der Fenster als versteifende Elemente für die Karosserie genutzt.

Bevor die THW-Helferinnen und –Helfer eine Rettungsöffnung ins Fahrzeug schneiden durften, war die elektrische Anlage der Airbags wegen spannungsfrei zu machen, das Auto gegen Wegrollen zu sichern und der Fahrzeugboden gegen Einknicken (nach dem Entfernen des für die Statik wichtigen Daches) abzustützen. Auch die Glasscheiben mussten teilweise entfernt werden, bevor die hydraulische Schere endgültig angesetzt werden konnte. Hierbei bewährten sich das altgediente THW-Bergungsbeil und sein Zusatz-Sägeblatt sehr gut, um die Verbundglas-Frontscheibe zu zersägen.

Nacheinander wechselten sich die Helferinnen und Helfer nun dabei ab, die Dachsäulen mit der Hydraulikschere zu durchtrennen. Die Ansatzpunkte der Schnitte wurden dabei so gewählt, dass nicht in die Auslöser der Airbags geschnitten wurde. Nachdem das Dach abgehoben und die Säulenstümpfe mit Warnkegeln und Wolldecken buchstäblich entschärft worden waren, konnte nun auch die einklemmende Lenksäule mit Ketten und dem sich schließenden Spreizer Richtung Motorhaube gezogen werden.

Mit dem Herausheben der „verletzten“ Puppe war die Arbeit am Fahrzeug beendet. Was nun noch folgte, ist fast schon ein Ritual im Haaner THW-Ortsverband: die jede Übung abschließende Nachbesprechung, bei der jede THW-Helferin und jeder Helfer ohne Ansehen seines Ranges Hinweise geben, Fragen stellen und Lob oder Kritik loswerden kann.

Fotografie und Text: Helmut Wenzel (THW Haan / Öffentlichkeitsarbeit)


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